Castello del Buonconsiglio monumenti e collezioni provinciali

Castello di Stenico

Spuren der Vergangenheit

Aus dem Boden der Talsenke der Äußeren Judikarien kamen zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit ans Licht. Die Funde von Fiavé, Vigo Lomaso und Stenico liefern uns wichtige Informationen zur Kenntnis der Bevölkerung dieses Gebiets von der Vorgeschichte bis in die römische Zeit.
FIAVÉ: die Überreste der im II. Jahrtausend v. Chr. entstandenen Pfahlbauten an den Ufern des antiken Carera-Sees bilden einen wesentlichen Bezugspunkt, um das alltägliche Leben in der Bronzezeit – nicht nur der südlichen Alpen – zu rekonstruieren.
STENICO: die Nekropole aus Hügelgräbern im Ortsteil Calferi ist ein bedeutendes Zeugnis der Begräbnisriten während der mittleren Bronzezeit (XIV. Jh. v. Chr.). Seit der darauf folgenden Spätbronzezeit (XI. – X. Jh. v. Chr.) bis zum Ende der Eisenzeit (I. Jh. v. Chr.) wurde derselbe Ort zu kultischen Zwecken genutzt, bezeugt durch die Anzündung von Brand-Opfern und durch die Beigabe von Opfergaben, die oft absichtlich zerbrochen worden waren.
VIGO LOMASO: die Spuren einer auf Terrassen angelegten Siedlung, die auf das erste Jahrtausend v. Chr. und die römische Zeit zurückgeht. Sie weisen darauf hin, dass das Gebiet auch nach Aufgabe der Pfahlbaudörfer kontinuierlich besiedelt war.

Das Torfmoor von Fiavé: eine Schatztruhe zwischen den Bergen

Das Torfmoor (gewöhnlich “el Palù” genannt) entwickelte sich im Becken eines Endmoränensees, der sich vor zirka 20.000 Jahren zur Zeit der letzten großen Vergletscherung der Würmeiszeit gebildet hatte.
Vor etwa hundert Jahren verlandete der See durch das Vordringen des Moores allmählich.
Im Jahre 1853 brachten Grabungen, die eigentlich dem Zweck dienen sollten, den Torf als Brennstoff zu nutzen, archäologische Funde wie Pfähle und Keramikgefäße zum Vorschein. Die Existenz von Pfahlbausiedlungen wurde später auf der Grundlage von Ausgrabungen bestätigt, die in den Seen der Schweiz und Norditaliens durchgeführt wurden.
Seit 1969 wurden systematische Forschungsgrabungen durchgeführt, die gestatteten, die Situation der Siedlungen von FIAVÉ und ihrer grundlegenden Bedeutung für die Vorgeschichte nicht nur der Alpen deutlich zu machen.

Auf dem Wasser leben: Fiavé und das “Problem der Pfahlbauten”

Die Ausgrabungen, die Renato Perini zwischen 1969 und 1976 im Torfmoor von Fiavé durchführte, lieferten einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der jahrelang andauernden Debatte über die Existenz oder Nicht-Existenz der im Wasser errichteten Hütten. Der Disput ging von einer Theorie aus, die der Schweizer Ferdinand Keller 1854 entwickelt hatte, der als erster die Hypothese vertrat, dass Dörfer auf Pfählen im Wasser errichtet wurden: die Pfahlbausiedlungen.
In Fiavé ist die Existenz von “Häusern auf dem Wasser” zwischen 2000-1400 v. Chr. durch die Pfähle bezeugt, die im Grabungsgebiet 2 gefunden wurden, und die die über dem Wasserspiegel stehenden Gebäude trugen, außerdem durch die Reste des von oben eingestürzten Holzbodens, die Eigenschaften der Sedimente, die Art der Ablagerungen der Tonscherben, die Gegenständen aus Holz, Abfälle und organischen Reste, die durch die Feuchtigkeit konserviert wurden. Die Pfähle, die aus ganzen, oder geschnittenen, geschälten Nadelholzstämmen hergestellt wurden, ragten zirka vier Meter vom Boden des Sees nach oben. Die beachtliche Dichte der Pfähle muss als Behelf interpretiert werden, um die Risiken einer Bodensenkung sowie des Abrutschens der Bauten zu mindern und die Hütten seitlich zu stützen, um damit auch die Stabilität des lehmigen Untergrunds zu erhöhen. Die Analyse der Pollen und Überreste von Exkrementen gestattete die Feststellung, dass in den Bauten auch Ziegen untergebracht waren, die mit Stroh oder Laubwerk gefüttert wurden.

"Meister der Axt" entwerfen das Dorf Fiavé

In Fiavé wurde in der “Ausgrabungszone 1” die Existenz eines Dorfs mit Reihenhütten aus der mittleren Bronzezeit (zirka 1400-1350 Jh. v. Chr.) nachgewiesen. Die Siedlung bestand einerseits aus Hütten, die an der Spitze einer Halbinsel auf trockenem Boden errichtet worden waren, andererseits aus solchen, die entlang des Seeufers und im Bett des Sees errichtet wurden, und deren Fußböden auf Pfählen im Wasser ruhten. In diese Pfähle eingefügte Stege hielten ein ausgeklügeltes Netzwerk aus Balken auf dem schlammigen Boden, das dazu diente, das Gewicht der Hütten gleichmäßig zu verteilen. Dieser gitterförmige Komplex, der durch eine Palisade eingeschlossen wurde, lässt ein einheitliches Bauprojekt für das Dorf vermuten, und den Beitrag eines herausragenden, mit planerischem Talent ausgestatteten Mitglied der Gemeinschaft erkennen.
Asche und Kohleschichten belegen zusammen mit verbrannten Brettern, Balken und von der Hitze verformten Keramiken, dass das Dorf dem Wüten eines Feuers zum Opfer fiel. Das Fehlen von Brandspuren auf den Fundamenten und auf der Palisade zeigt, dass zum Zeitpunkt des Brandes Wasser vorhanden war.

Totenkult und Brandopfer in Stenico, Ortsteil Calferi

Nicht weit von Castel Stenico entfernt, am süd-östlichen Rand des Dorfes im Ortsteil Calferi, kamen bei Erdarbeiten im Rahmen von Bauarbeiten für Häuser und Straßen seit den ersten Jahrzehnten des Zwanzigsten Jahrhunderts wiederholt archäologische Materialien zum Vorschein. Die in den Jahren zwischen 1978 und 1981 durchgeführten Grabungen zeigten, dass dieser Ort über einen längeren Zeitraum im Rahmen der Begräbnisriten der mittleren Bronzezeit (XIV. Jh. v. Chr.) und des Hochmittelalters frequentiert wurde, sowie im Zusammenhang mit kultischen Gebräuchen, die Brandopfer vorsahen, von der Spätbronzezeit bis zum Zeitalter der Romanisierung (XI.-I. Jh. v. Chr.).

Der Schädelkult in der “Totenstadt” von Stenico

An den Hängen des Ortsteils Calferi von Stenico führten die archäologischen Grabungen zur Entdeckung eines Grabhügels aus Steinen und Kies aus der Mittleren Bronzezeit (XIV. Jh. v. Chr.), in dem 27 Menschen bestattet waren (10 erwachsene Männer und drei Frauen sowie 14 Kinder). Die Verstorbenen, die möglicherweise zu einem einzigen Familienclan gehörten, waren in sechs rechteckigen Gräbern mit Nord-Süd Ausrichtung bestattet, die durch steinerne Einfassungen voneinander abgegrenzt waren.
Das fast vollständige Fehlen von Schädeln in den Gräbern der Erwachsenen, besonders deutlich im weiblichen Grab Nr. 1, dessen Rekonstruktion gezeigt wird, weist auf eine Form von “Schädelkult” hin. Diese rituelle Bergung der Schädelknochen, die einen starken symbolischen Gehalt hatte, impliziert vielleicht einen “Ahnenkult”. Der Begräbnisritus sah vor, dass neben den Gräbern Opfergaben abgelegt wurden: Tongefäße, wie sie aus den Pfahlbauten von Fiavé bekannt sind, sowie Überreste von Tieren (nachgewiesen wurden Bär, Wolf, Hirsch und Wildschwein). Gefäße, die während der Zeremonie für eventuelle Trankopfer dienten, sind offenbar absichtlich zerstört worden.

Tausend Jahre Andacht: die Brandopfer von Stenico

Der Fund von Ascheschichten, verkohlter Erde, verbrannten Knochen und Opfergaben, bezeugt, dass der Bereich der Hügelgrab-Nekropole als heiliger Ort zu betrachten ist, ein Zentrum ritueller Gebräuche, die über ein Jahrtausend lang - vom Ende der Spätbronzezeit bis zur Römerzeit (XI.-I. Jh. v. Chr.) - ausgeübt wurden. Nach einem im zentral-östlichen Alpengebiet weit verbreiteten Brauch mussten Brandopfer angezündet werden, mit Opfergaben verschiedenster Art: Tiere, Pflanzen, Tongefäße und Metallgegenstände. Auch die Ausübung von Trankopfern wird vermutet, wobei die Pokale und Tassen, die für die Zeremonie zum Einsatz kamen, zerstört und entsorgt wurden. Unter der großen Zahl von Tonscherben, die geborgen wurden, waren auch immer wieder solche mit eingeritzten Buchstaben, die auf dem rätoromanischen Alphabet beruhten, einer Variante des nord-etruskischen Alphabets.
Für das I. Jh. v. Chr., d.h. im Zeitalter der Romanisierung, wurde der Bau eines Gebäudes nachgewiesen, das wahrscheinlich in Anbetracht der Präsenz von Gefäßen wie Amphoren, Gläsern und Tassen, die mit einem Gastmahl in Zusammenhang stehen, kultische Funktion hatte. Für das Hochmittelalter ist die Bestattung eines Knaben und einer Frau ohne Grabbeigabe in der nackten Erde nachgewiesen.

Vigo Lomaso: die Besiedlung zwischen dem I. Jahrtausend v. Chr. und der römischen Epoche

Vigo Lomaso liegt an der südöstlichen Seite des Tals der äußeren Judikarien an der Einmündung ins Lomasona-Tal, längs der Strecke, die zum Gardasee führt.
Das archäologische Ausgrabungsgebiet, hinter der Pieve di S.Lorenzo, erstreckt sich am Fuße des Abhangs, auf dem sich das Castel Spine erhebt.
Die Spuren der uralten Gegenwart des Menschen kamen 1976 ans Licht, infolge eines Erdrutsches, der Bruchstücke von Keramikgefäßen und Mauern zum Vorschein brache. Die Forschungen belegten, dass im Laufe des I. Jahrtausends v. Chr., zwischen der Ersten und der Zweiten Eisenzeit der Bau von Wohnhäusern auf künstlichen Terrassen erfolgte, die bergaufwärts von Trockenmauern geschützt wurden. Die Scherben von kleinen Ton-Tassen und Krügen aus jüngerer Zeit sind typisch für die Einwohner der vorrömischen Zeit des zentral-östlichen Alpengebiets: die Räter.
Auf den ältesten Terrassen bezeugen Reste eines mit Mörtel verbundenen Mauerwerks die Existenz eines großen Gebäudes aus römischer Zeit.