Das Geburtsdatum Girolamo Romanis, genannt Romanino, ist nicht sicher, doch es muss auf jeden Fall in Brescia zwischen 1484 und 1487 angesiedelt werden. Es gibt nur sehr wenige Informationen über seine Ausbildung in den Jahrzehnten auf der Schwelle zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert. Romanino kennt die venezianische Malerei, insbesondere Giorgione, doch er nimmt auch Einflüsse der lombardischen Kunst auf (besonders von Bramante). In seinen ersten Werken (in seinem gesamten Leben datiert und signiert er nur drei) zeigt er eine Vorliebe für die deutsche Kunst, die er in Venedig zusammen mit dem Maler Altobello Melone aus Cremona insbesondere durch die nordische Druckgraphik kennen lernen konnte. 1517 beendet er die von Altobello im Dom von Cremona begonnenen Fresken. Die ’20er Jahre sind für den Maler aus Brescia eine schwierige Zeit: in seiner Stadt herrscht die Malerei eines anderen Künstlers, namens Moretto, so ist Romanino gezwungen, in abgelegenen Orten zu arbeiten: Capriolo, Salò, Asola. Die Wende zum Erfolg stellt sich in den frühen 30er Jahren ein, als er beschließt, sein Können dem Fürstbischof von Trient, Bernardo Cles zur Verfügung zu stellen, der auf der Suche nach fähigen Malern für die Ausschmückung seiner neuen Residenz war. In einem Brief vom Sommeranfang 1531 spricht Cles positiv von ihm und nennt ihn “jenen ausgezeichneten Maler aus Brescia, der sich erboten hat, zu kommen”. Für Romanino ist es sowohl die Gelegenheit, sich in der Sprache seines antiklassischen Stils auszudrücken, die er bereits auf den Wänden des Doms von Cremona erprobt hatte, als auch um Anknüpfungspunkte mit der künstlerischen Tradition jenseits der Alpen zu finden. In Trient bleibt er bis zum Herbst des darauf folgenden Jahres. Er arbeitet an verschiedenen Räumen des Castello del Buonconsiglio, und malt Räume von großer Bedeutung mit Fresken aus, darunter die Loggia, die anfänglich Dosso Dossi anvertraut war, und die angrenzenden Räume (Gang zur Küche, Gang zum Bad, Treppe des Gartens). Extrovertiert und flink in der Ausführung, malte er auch die Sala delle Udienze aus, und schafft im Privatgemach des Fürstbischofs den Fries mit Putten und den Büsten der römischen Kaiser im Schlafgemach. Nach der Rückkehr in seine Heimat malte er Kirchen und Paläste im Gebiet von Brescia aus (S.Maria della Neve a Pisogne, S.Antonio a Breno, S.Maria Annunciata a Bienno), und bemalt zahlreiche Orgeln. In den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts beschert ihm der enorme Erfolg, den er mit den Bildern der Orgel von S. Maria Maggiore in Trient erzielt, neue Aufträge, insbesondere in Brescia (Duomo Nuovo und S. Nazaro e Celso) und Verona (S. Giorgio in Braida). Wie die abgeschlossenen Verträge belegen, halten sich in seiner Werkstatt in jener Zeit eine Reihe junger Schüler auf, darunter Stefano Rosa. Eine besondere Art der Zusammenarbeit geht Romanino mit dem jungen Lattanzio Gambara ein, einem viel versprechenden Maler, der schon bald zu seinem geschätzten Assistenten sowie zum Schwiegersohn des alten Meisters wird. Das genaue Todesdatum Romaninos ist unbekannt, doch aus einem Dokument von 1562 geht hervor, dass der Künstler seit zwei Jahren tot ist.