Georg von Liechtenstein, der aus einer aristokratischen Familie mit großen Besitztümern in Mähren stammte, pflegte enge Beziehungen zum Haus Österreich. Bevor er zum Fürstbischof von Trient ernannt wurde, hatte er 1390 das Amt des Probstes im Stephansdom inne, die höchste kirchliche Ehre, nicht nur in Wien, sondern auch im gesamten Herzogtum Österreich, das damals in politischer und kultureller Hinsicht einen großen Aufschwung erlebte.
Von Beginn seines Prinzipats an, zielte Georg von Liechtenstein darauf ab, die dem Bischof im Gebiet von Trient eigenen fürstlichen Rechte zu stärken, sowohl durch die Herrschaft über das Territorium, dem neue Gebiete angegliedert werden, als auch durch die finanzielle Sanierung der kirchlichen Güter. In Bezug auf dieses feudale Projekt einer Restauration der Autorität des Fürstbischofs innerhalb des Territoriums, gab er zauberhafte Goldschmiedearbeiten mit den Wappen Liechtensteins, prächtige gestickte Stoffe für das liturgische Ornat, die Restaurierung von Teilen des Castello di Stenico und den Bau sowie die Ausschmückung des Adlerturms am Castello del Buonconsiglio in Auftrag. Im Kalenderzyklus, der auf seinen Wunsch gemalt wurde, findet sich die von Georg von Liechtenstein angestrebte Konzeption einer hierarchisch geordneten Gesellschaft wieder, als Fürsprecher einer feudalen Restauration in einer Epoche gegen Ende des 14. Jahrhunderts Jahrhunderts, die in Wahrheit auf dem Weg ist, den endgültigen Niedergang der mittelalterlichen Ordnung zu markieren.