Als Bernardo Cles 1528 den ersten Stein für den Bau der neuen Residenz im Castello del Buonconsiglio setzen lässt, befindet sich seine kirchliche und politische Karriere in steilem Aufstieg. Geschätzt in internationalen Kreisen als geschickter Diplomat, Berater des Kaisers und gleichzeitig dem Papst nahe, bewegt sich der Fürstbischof von Trient mit großer Unbefangenheit zwischen den hohen Hierarchien, und zielt mit seinem Ehrgeiz auf Anerkennung von renommierter Seite ab. Die Idee, die bischöfliche Residenz in Trient durch den Bau eines eigenständigen und modernen Gebäudes wie den Magno Palazzo zu erneuern, reift offenbar parallel zu der immer konkreter werdenden Perspektive, den Kardinalshut zu erhalten, der ihm schließlich 1530 auch dank der Unterstützung durch Karl V. verliehen wurde.
Dem Magno Palazzo kommt also die Rolle zu, einem Kardinal der Kirche und seinen illustren Gästen angemessene Unterkunft zu gewähren: Würdenträgern, Botschaftern, Regierenden, die sich in Trient aufhalten. Die Vermutung, dass am Ursprung der Realisierung der Residenz von Cles, Motive eine Rolle gespielt haben, die ausschließlich auf ehrgeizigen Eitelkeiten und persönlicher Ruhmsucht beruhten, wäre gewiss zu einfach. Sicher gehörte es nicht zuletzt zu den Absichten von Bernardo Cles, die Privilegien des Fürstentums Trient zu verteidigen, das sich als treues kaiserliches “Lehen” präsentiert und zugleich dem päpstlichen Rom nahe ist.
Die von Cles gespielte Rolle sowie seine politischen Überzeugungen, spiegeln sich im ikonographischen Programm wieder, das für die Ausgestaltung der Residenz umgesetzt wurde. Die Tatsache als solche, dass der Kardinal oft in diplomatischer Mission von Trient abwesend war, war vermutlich der Vorbereitung eines vorgegebenen und einheitlichen Projekts abträglich, sowohl unter architektonischen als auch unter ästhetischen Gesichtspunkten. Die Leiter der Baumaßnahmen, mit denen der Auftraggeber auf jeden Fall in Briefkontakt stand, sahen sich gezwungen, stufenweise mit den Arbeiten fortzuschreiten, und häufige Änderungen und Anpassungen vorzunehmen.
Die Ausgestaltung jedes einzelnen Ambientes erfolgte jedoch unter Berücksichtigung einiger unabdingbarer Faktoren: der Zweckbestimmung des Raums, der öffentlich oder privat sein, der Unterhaltung oder der Arbeit dienen konnte. Pracht und Würde, Termini, die schwer in die Praxis umzusetzen sind, deren Bedeutung jedoch für Bernardo Cles und seine Zeitgenossen sehr klar war. Die katholische Orthodoxie und die Profankultur der Renaissance und schließlich die Beziehung zur römischen Kirche und zugleich die enge Bindung an das Reich. Unter dem letztgenannten Gesichtspunkt kann es interessant sein, den dekorativen Apparat zu analysieren, den Bernardo Cles ab 1531 ausführen ließ.