Castello del Buonconsiglio monumenti e collezioni provinciali

Noch nie geschautes Ägypten

Bisher noch nie gezeigte Sammlungen aus dem Ägyptischen Museum in Turin und dem Castello del Buonconsiglio in Trient

Location: Trento, Castello del Buonconsiglio

29 Mai - 10 Januar 2010

 

Als Weltpremiere, mehr als hundert Jahre nach ihrer Entdeckung, werden der Öffentlichkeit zwei überraschende Sammlungen aus dem alten Ägypten präsentiert. Neben den bedeutenden ägyptischen Kunstschätzen aus den Beständen des Castello del Buonconsiglio in Trient werden nämlich außergewöhnliche Entdeckungen zu sehen sein, die zwischen 1905 und 1920 von Ernesto Schiaparelli bei seinen Grabungen in den Nekropolen von Gebelein und Assiut, der sagen-umwobenen Stadt, gemacht worden sind, wo der koptischen Überlieferung zufolge die Heilige Familie bei ihrer Flucht nach Ägypten Aufnahme fand.
In der Ausstellung werden mehr als 500 faszinierende, noch nie gezeigte Fundstücke zu sehen sein, zusammen mit eindringlichen szenischen Darstellungen, welche die Geheimnisse des täglichen Lebens und des Jenseits im Alten Ägypten enthüllen. Die Besucher können voller Spannung den Spuren der Entdecker folgen, die zwischen dem neunzehnten und beginnendem zwanzigsten Jahrhundert diese Zeugnisse einer untergegangenen Zivilisation ans Licht gebracht und sie so ihrer Geheimnis umwobe-nen Faszination beraubt haben.
Zum ersten Mal wird das Ägyptische Museum in Turin eine ganz außergewöhnliche Auswahl von hölzernen, mit Stuck überzogenen und bemalten Sarkophagen verlassen, begleitet von Grabausstattungen mit Gegenständen des täglichen Lebens, Vasen, Kleidung und Holzmodellen, die sich noch heute in einem verblüffend guten Zustand befinden. In der Ausstellung werden außerdem einige Mumien aus der Ersten Zwischenzeit und dem Mittleren Reich gezeigt, weiterhin eine Bestattung in einem Baumstamm sowie in einem Korb. Diese Ausstellung ist von ungemein großer wissenschaftlicher Relevanz, denn es ist zum allerersten Mal möglich, sich mit allen Objekten/Materialien umfassend auseinanderzusetzen, die von der namhaften "Missione Archeologica Italiana" zutage gefördert worden sind.
Diese großartigen Zeugnisse der Vergangenheit werden zusammen mit der ägyptischen Sammlung aus dem Castello del Buonconsiglio ausgestellt, ein Geschenk, das Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von Taddeo Tonelli, einem Offizier der österreichisch-ungarischen Monarchie gemacht wurde, der von der "Ägyptomanie" besessen war, die in ganz Europa Forscher und Abenteurer miteinander im Wettstreit liegen sah, wer wohl die besten "Andenken" ergattern würde, um anschließend damit in den Salons des Adels prahlen zu können.
Die Sammlung umfasst Stelen, Totenmasken, Schmuckstücke, Mumienreste von Menschen und Tieren, zahlreiche Ushabtys (Miniaturmodelle von Grabdienern, deren Aufgabe es war, den Verstorbenen bei seinen Tätigkeiten im Jenseits zu vertreten) sowie Hunderte von Amuletten. Zu den eigenartigsten Exponaten gehört die Mumie einer Katze aus der Spätzeit, einem Tier, das die wohltuende wärmende Kraft der Sonne symbolisiert; einige kleine Holzstatuen der Göttin Nekhbet in der Gestalt eines Geiers; die Gottheit Uaget, dargestellt als Kobra sowie Osiris, der Gott der Totenwelt.
Auch das Zelt und die Werkstatt des Archäologen werden gezeigt, ein rekonstruiertes Felsgrab, der Brunnen mit dem Sarkophag sowie alle kleinen Modellfiguren, die den Verstorbenen begleiteten: Boote mit Besatzung, Opfergabenträgerinnen, Szenen landwirtschaftlichen Arbeitens, Lebensmittelgaben und Vasen. Anhand sehr sorgsam ausgewählter Etappen wird der Betrachter begleitet bis zur Entzifferung einiger Hieroglyphen, die Auskunft geben von dem Aufblühen des Osiriskultes und der sich daraus ergebenden "Demokratisierung" der Hoffnung auf ein Leben im Jenseits, die für jene Epoche der ägyptischen Kultur charakteristisch war.