Castello del Buonconsiglio monumenti e collezioni provinciali

Archäologie

Die zeichen der vergangenheit: die Archäologische Abteilung

Mehr als sechshundert Exponate bieten einen umfassenden Überblick über die antike Bevölkerung des Trentino von der Vorgeschichte über die römische Epoche bis zum Hochmittelalter.

Die ältesten Zeugnisse gehen auf das Ende des Prozesses der Landbesiedlung durch umherziehende Jäger zurück, die nach dem Rückzug des Eises um 11.000 v. Chr. während der Jungsteinzeit aus dem Süden kamen. Umfassend repräsentiert sind die anschließenden Epochen, wo die Verbreitung von Metallgegenständen einherging mit dem Phänomen der Stabilisierung der Ansiedlungen, der Steigerung von Kontakten und des Austauschs sowie der Zunahme an sozialer Komplexität. Die Tätigkeit der Metallherstellung und -verarbeitung, die die Existenz fachkundiger Handwerker voraussetzt, wird durch eine Reihe von Schmelztiegeln, Gussformen für Griffe und Äxte, die aus den Pfahlbauten von Molina di Ledro stammen, bezeugt. Der enorme Aufschwung der Kupferverarbeitung gegen Ende des II. Jahrtausends v. Chr. wird durch die Rekonstruktion eines Schmelzofens sowie zahlreicher Bronzegegenstände in Erinnerung gerufen, darunter so innovative Arbeitsmittel wie Sicheln, “eine Erfindung” der lokalen Bevölkerung. Bronzediademe aus den Pfahlbauten von Ledro, eine wertvolle Kette aus baltischem Bernstein, Rüstungsgegenstände wie zum Beispiel Schwerter und die berühmten Beinschienen der Masetti di Pergine, die dazu dienten, die Beine der Krieger zu schützen, stellen für die aufstrebenden Schichten der Bronzezeit die renommiertesten Merkmale dar, um sich abzugrenzen und ihre Macht zu zeigen.

Nach den schriftlichen Zeugnissen aus römischer Zeit sind die rätischen Völker im zentral-östlichen Alpengebiet angesiedelt. Sie sind in der Ausstellung für den Zeitraum zwischen dem VI.-I. Jahrhundert v. Chr. mit typischen Keramikgefäßen, Eisenwerkzeugen, wie Hacken, Pflüge, Gartenhacken und großen Schalen sowie Ziergegenständen aus Bronze vertreten. Den Einflüssen der etruskisch-italischen Welt ist die Verbreitung von Gegenständen zu verdanken, die mit dem häuslichen Herd und dem festlichen Genuss von Wein verbunden sind, Statuetten von Gottheiten und von Votivbildern aus ausgeschnittenem Bronzeblech sowie die Verwendung einer Art des nord-etruskischen Alphabets. Eine der ausführlichsten Inschriften ist in ein Gefäß - eine situla (kostbare Schüssel) - aus lokaler Herstellung eingraviert, die auf dem Caslir von Cembra entdeckt wurde.

Der Beitrag der Kelten zeigt sich in zahlreichen Schmuckgegenständen – Broschen und Halsreifen – sowie der militärischen Ausstattung durch Schwerter und Helme.

Die Römisierung manifestiert sich nach und nach mit neuen gesellschaftlichen, administrativen, politischen, ökonomischen, militärischen und religiösen Modellen, die sich durch ein effizientes Straßennetz und neue Formen der Gebietsorganisation verbreiten. Entlang der Achse des Flusses Etsch, der teilweise schiffbar ist, stellt die monumentale Entwicklung der römischen Stadt Tridentum eine Neuheit dar. Die Baukunst bedient sich neuer Lösungen, wie Bleirohren für das Wasser und Ziegelsteinen, die auch für die Heizung verwendet werden. Die Ausbreitung des Römertums zeigt sich auch im Gebrauch der lateinischen Sprache, dem Umlauf der Münzen, den neuen Systemen des Wiegens und in raffinierten Kunstwerken aus Marmor sowie im Schmuck, aber auch in alltäglichen Gegenständen. Die Integration der alpinen Völker in die römische Welt wird bezeugt durch eine berühmte Inschrift auf einer Bronzetafel, die in Cles im Nonstal gefunden wurde: ein 46 n. Chr. von Kaiser Claudius verkündetes Edikt, das einen “Straferlass” für die Bewohner der Alpentäler– Anauner, Tuliasser und Sinduner – verkündet, die sich als römische Bürger betrugen, obwohl sie dazu nicht berechtigt waren. Mit der Verleihung der römischen Bürgerschaft werden diese Völker in die “erlesene Gemeinde von Trient” eingemeindet.

Der “Stempel” Roms ist auch in tiefen Veränderungen im Bereich der Religiosität zu erkennen – belegt durch Inschriften und kleine Bronzefiguren – und in den Bestattungsriten. Ein kostbares Püppchen aus Knochen, das zusammen mit feinsten Juwelen in einem Bleisarkophag hinterlegt wurde, ist das anrührende Zeugnis des Todes eines reichen Mädchens vor der Heirat.

Mit dem Zerfall des römischen Reiches, das 476 die Amtsniederlegung des letzten westlichen Kaisers erlebt, wird das alpine zentral-östliche Gebiet zum Grenzgebiet, ein Schauplatz von Auseinandersetzungen und Überfällen. Wenn auch in kleineren Dimensionen, so ist die Stadt Trient Sitz einer herrschenden aristokratischen Klasse, die sich aus Goten, Herulern, Byzantinern und Langobarden zusammensetzt. Die Eingliederung der “Barbaren” in die römische Gesellschaft führt zu einer wechselseitigen Assimilierung der jeweiligen Sitten. In der Ausstellung spiegeln Waffen und wertvolle Juwelen – Abgrenzungsmerkmale der höheren gesellschaftlichen Schichten - Traditionen und Innovationen einer Gemeinschaft mit bereits multiethnischem Charakter wieder. Von außerordentlicher Bedeutung ist die prächtige Aussteuer der logobardischen “Prinzessin” von Civezzano, die goldene Ohrringe, Amethyst, Goldbrokat und Strumpfbänder aus vergoldeter Bronze umfasst. In langobardischer Zeit werden auch erlesene Goldkreuze auf die Schweißtücher reicher Verstorbener genäht. Der soziale Status des freien Mannes, der an die Gruppen gebunden war, die die militärische Macht innehatten, wird durch die Waffen in Erinnerung gerufen, die in Männergräbern als Beigabe dienen.

Die Verbreitung des christlichen Glaubens wird durch alltägliche Gebrauchsobjekte, die die frühchristlichen symbolischen Motive tragen und die kostbaren, auf das VI. Jahrhundert zurückgehenden Mosaike, gezeigt, die an einem Ort des Kultus ans Licht gebracht wurden, der auf dem Doss Trento entstanden war, und der – vielleicht aufgrund byzantinischer Einflüsse, den Heiligen Cosma und Damiano gewidmet war. Unter den Heiligenschreinen befindet sich ein wertvolles Exemplar aus Silber mit einer Heiligenfigur sowie ornamentalem Flechtwerk mit Tiermotiven, der aus der antiken Kirche Santa Apollinare von Trient zu Füßen des Doss Trento stammt, eine Festung, die durch die steilen Felswände und die Etsch auf natürliche Weise geschützt ist. Der christlichen Liturgie war der kostbare Gregorianische Sakramentar gewidmet, ein Kodex, der auf die ersten Jahrzehnte des IX. Jahrhunderts zurückgeht. Die wunderbare Elfenbeinplakette, die für den Einband benutzt wurde und einen Hl. Evangelisten darstellt, stammt aus karolingischer Zeit, d.h. aus dem VIII. Jahrhundert.

Die reiche archäologische Abteilung zählt auch interessante ägyptische Gegenstände zu ihrem Besitz, solche aus der Magna Grecia und aus unterschiedlichen Orten, die zwischen dem XIX. und Anfang des XX. Jahrhunderts von Sammlern zusammen getragen wurden. Damals wurde mit der Durchsetzung einer neuen nationalen Identität der Archäologie zur Unterstützung nationalistischer Ansprüche eine fundamentale Rolle zugeschrieben. Ein großer Teil der “Liebhaber der Vaterlandsgeschichte” die an der Bildung von Sammlungen beteiligt waren, waren leidenschaftliche Vertreter der Italianität des Gebietes: dies gilt auch für den Grafen Benedetto Giovanelli (1775-1846), Statthalter von Trient, dem der erste Kern der Sammlung des Museums zu verdanken ist, darunter die “situla” von Cembra.